Die Anfänge der Piraterie
erstes Piratenzeitalter (eP)
0 eP - 160 eP
Wann die ersten Piraten die Weltmeere befuhren, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Die ältesten Überlieferungen stammen aus einer Zeit, in der die fünf Kontinente noch weitgehend unabhängig voneinander existierten und Handel über die Meere zur wichtigsten Verbindung zwischen den Reichen geworden war. Kaufleute transportierten Gewürze, Edelmetalle, Holz, Stoffe und andere wertvolle Waren über tausende Seemeilen. Mit dem wachsenden Seehandel entstanden jedoch auch die ersten Überfälle auf Handelsschiffe.
Anfangs handelte es sich dabei lediglich um kleine Gruppen von Gesetzlosen, die schlecht geschützte Schiffe überfielen. Mit der Zeit entwickelten sich daraus organisierte Crews, die ganze Handelsrouten kontrollierten und Küstenregionen terrorisierten. Schon bald wurden die ersten Piraten zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für den Seehandel.
Nicht alle Piraten galten jedoch als Verbrecher.
Einige Reiche begannen damit, besonders fähigen Kapitänen sogenannte Freibeuterbriefe auszustellen. Diese Freibeuter handelten im Auftrag eines Herrschers und erhielten die Erlaubnis, feindliche Schiffe anzugreifen, Waren zu beschlagnahmen und gegnerische Häfen zu überfallen. Im Gegenzug mussten sie einen Teil ihrer Beute an ihren Auftraggeber abführen und dessen Interessen auf See vertreten.
Freibeuter waren daher rechtlich keine Piraten, sondern staatlich legitimierte Kaperfahrer. Für die Bevölkerung machte dieser Unterschied jedoch oft kaum einen Unterschied. Ob unter königlicher Flagge oder mit Totenkopfbanner – geplündert wurden am Ende dieselben Schiffe.
Mit jedem Jahr nahm die Zahl der Crews weiter zu. Zwischen Freibeutern, Piraten und den Flotten der Reiche entstanden immer neue Konflikte. Ganze Küstenstädte wurden überfallen, Handelsrouten galten als lebensgefährlich und zahlreiche Inseln entwickelten sich zu gesetzlosen Zufluchtsorten. Das Erste Piratenzeitalter war geprägt von Gewalt, Machtkämpfen und einer nahezu vollständigen Anarchie auf den Weltmeeren.
Der Vertrag von Vespera
Ende 160 eP - 0 ZR
Nachdem die Weltmeere über Jahrzehnte hinweg im Chaos versunken waren, beschlossen die großen Reiche erstmals, ihre politischen Differenzen beiseitezulegen.
Vertreter sämtlicher Großmächte trafen sich in der Hafenstadt Vespera, um über eine gemeinsame Lösung zu beraten. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft war der Vertrag von Vespera, der als eines der bedeutendsten politischen Ereignisse der Weltgeschichte gilt.
Mit seiner Unterzeichnung wurden sämtliche Freibeuterbriefe für ungültig erklärt. Von diesem Zeitpunkt an durfte kein Staat mehr Piraten oder Freibeuter offiziell unterstützen. Gleichzeitig verpflichteten sich alle Unterzeichner, Piraterie künftig als schweres Verbrechen zu behandeln und gemeinsam gegen Piraten vorzugehen.
Zur Durchsetzung dieses Abkommens wurde die Marine erheblich ausgebaut und erstmals über die Grenzen einzelner Staaten hinweg koordiniert. Neue Marinestützpunkte entstanden entlang der Küsten, gemeinsame Flotten patrouillierten auf den wichtigsten Handelsrouten und zahlreiche Piratenhochburgen wurden zerstört.
Der Vertrag von Vespera leitete schließlich das Ende des Ersten Piratenzeitalters ein.
Das Ende der Piraten
0 ZR - 15 ZR
Mit dem Ende des Ersten Piratenzeitalters beschlossen die Staaten, eine neue Epoche einzuläuten.
Anstelle der bisherigen Zeitrechnung begann das Jahr 0 der Zeitrechnung (ZR). Dieses Datum sollte den Beginn einer friedlicheren Welt markieren, in der Piraterie endgültig der Vergangenheit angehören würde.
In den folgenden Jahren schien dieses Ziel tatsächlich erreicht worden zu sein. Die Zahl der Piraten nahm drastisch ab, Handelsrouten wurden wieder sicher und viele ehemalige Piratenhäfen entwickelten sich zu gewöhnlichen Handelsstädten.
Nur vereinzelt trieben noch Schmuggler oder kleine Gruppen von Gesetzlosen ihr Unwesen auf den Weltmeeren. Die Geschichten über die legendären Piraten vergangener Jahrhunderte wurden mehr und mehr zu Seemannsgarn, das in Tavernen erzählt wurde.
Viele Menschen glaubten, die Zeit der Piraten sei endgültig vorbei.
Beginn des zweiten Priatenzeitalters (zP)
0 zP - 23 zP
Im Jahr 16 der Zeitrechnung änderte sich dieses Bild schlagartig. Ein bis dahin nahezu unbekannter Pirat namens Kael Vane geriet nach einem Überfall auf ein Handelsschiff ins Visier der Marine. Was als gewöhnliche Verfolgungsjagd begann, entwickelte sich zu einer der spektakulärsten Fluchten der Geschichte.
Über mehrere Wochen hinweg gelang es Kael Vane, den vereinten Flotten mehrerer Staaten zu entkommen. Immer wieder täuschte er seine Verfolger, durchquerte gefährliche Gewässer und verschwand schließlich spurlos.
Seine Flucht machte ihn über Nacht zu einer lebenden Legende.
Nur wenige Wochen später trat Kael Vane öffentlich auf und verkündete den Beginn eines neuen Zeitalters.
„Die Meere gehören niemandem. Wer den Mut besitzt, die Segel zu setzen, soll frei sein, seinen eigenen Kurs zu bestimmen.“
Mit diesen Worten rief er das Zweite Piratenzeitalter aus.
Zeitgleich wurde beschlossen, die bisherige Zeitrechnung zu beenden. Fortan begann das Jahr 0 des Zweiten Piratenzeitalters (zP).
Kael Vanes Aufruf verbreitete sich schneller, als es die Staaten erwartet hatten. Innerhalb weniger Jahre verließen tausende Menschen ihre Heimat, um selbst in See zu stechen. Nicht jeder wurde Pirat. Viele zog es als Entdecker, Kartografen, Schatzsucher oder Archäologen auf die Weltmeere. Neue Inseln wurden entdeckt, vergessene Ruinen erforscht und alte Seekarten wiederentdeckt.
Mit der wachsenden Zahl an Crews nahm jedoch auch die Gewalt erneut zu.
Piraten bekämpften sich gegenseitig, Handelskonvois wurden regelmäßig überfallen und selbst Piraten waren nirgendwo mehr sicher. Ganze Flotten verschwanden spurlos und zahlreiche Kapitäne versuchten, ihre Macht mit Gewalt auszubauen.
Die Welt drohte erneut in die Zustände des Ersten Piratenzeitalters zurückzufallen.
Einführung der Kaiserordnung
ca. 10 zP
Kael Vane erkannte früh, dass sich die Piraten langfristig selbst vernichten würden, wenn jeder nur für sich kämpfte.
Aus diesem Grund gründete er die Kaiserordnung.
Sie führte erstmals eine verbindliche Hierarchie unter den Piraten ein und schuf klare Verantwortlichkeiten.
An ihrer Spitze stand der Piratenkaiser, gefolgt von den Admirälen der See, den Flottenkommandanten, den Lieutenants und schließlich den Crewmitgliedern.
Mit zunehmendem Rang stiegen nicht nur Ansehen und Einfluss, sondern auch die Verantwortung gegenüber den übrigen Piraten. Unter Kaels Führung entstand ein fragiles Gleichgewicht. Die Kaiserordnung beendete zwar nicht alle Konflikte, verhinderte jedoch, dass die Weltmeere erneut vollständig im Chaos versanken.
Gegenwart
23 zP - ???
Heute schreiben wir das 23. Jahr des Zweiten Piratenzeitalters.
Seit über zwei Jahrzehnten prägt die Piraterie erneut das Bild der Weltmeere. Handelsschiffe werden eskortiert, Küstenstädte leben vom Handel mit Piraten, die Marine schützt die Interessen der Staaten und Expeditionen führen immer tiefer in bislang unerforschte Gewässer.
Doch die Ordnung, die Kael Vane einst geschaffen hat, steht kurz vor ihrem Zusammenbruch.
Im April des 23. Jahres zP verschwand der Sturmkönig spurlos.
Seine letzte bekannte Spur verliert sich auf den Freien Inseln von Verdras.
Seit diesem Tag häufen sich Gerüchte und Spekulationen. Einige glauben, Kael sei tot. Andere sind überzeugt, er bereite seine Rückkehr vor. Wieder andere vermuten, die Weltorganisation oder rivalisierende Piraten hätten ihn beseitigt.
Fest steht nur eines:
Das Machtvakuum bleibt nicht lange ungenutzt.
Ehrgeizige Kapitäne streben nach höheren Rängen, Bündnisse zerbrechen und alte Feindschaften flammen erneut auf. Gleichzeitig beobachten die großen Reiche und die Marine die Entwicklung mit wachsamem Interesse und suchen nach einer Gelegenheit, ihren Einfluss auf den Weltmeeren auszuweiten.
Die Zukunft des Zweiten Piratenzeitalters ist ungewisser denn je.